Herbert
Ich hatte 1969 eine FORTRAN-4 (!) Vorlesung mit Übungen bei Dr. Gell inskribiert und abgeschlossen. Im Anschluss daran wurde er mein "Mentor" und vermittelte mir eine Mitarbeit an Informatik Projekten von zwei Instituten: Pathologie und Pädagogik. Beim Institut für Pädagogik handelte es sich um Statistik (quantitative Auswertung von Fragebögen) und beim Institut für Pathologie war es eine ("fast schon AI vorwegnehmende") Anwendung. Dabei wurden pathologische und histologische Befunde der Ärzte im Klartext erfasst und abgefragt. Mittels eines Thesaurus (Wörterbuch der medizinischen Fachbegriffe) wurden die Befunde und Abfragen "übersetzt", sodass bei der Auswertung z.B. die Begriffe "Cancer" und "Krebs" als gleichwertig erkannt wurden. An diesem Projekt waren fünf Mitarbeiter (drei Mediziner und zwei Informatiker) beteiligt. Das Funding für dieses Projekt war über mehrere Jahre gesichert.
Dr. Gell wurde für mich für ein Jahr zum "Mentor". Ich konnte immer bei ihm anklopfen und er war dabei ausgesprochen hilfsbereit. Unser Verhältnis war derart, dass ich von ihm Tips (z.B. "Marlene Metzner Sort") bekam und aber dann autodidaktisch weiter arbeiten musste. Beispiel: Ich wollte wissen wie bei unserem UNIVAC 494 Computer im Rechenzentrum Graz der FORTRAN-Compiler arbeitet. Dr.Gell gab mir ein 200-seitiges englischsprachiges Assembler Manual (UINIVAC SPURT) mit den Worten "Da steht alles drin" und ich musste es ebenfalls allein studieren.
Nach dem Wechsel von Dr. Gell an die medizinische Fakultät im Jahr 1970 vermittelte mich Dr. Gell sogar als Nachfolger, ("Wissenschaftlicher Mitarbeiter") am Institut für angewandte Mathematik der Universität Graz, wo ich bis Ende 1971 angestellt war. Leider wurde 1971 nach dem Abgang von Univ.-Prof. Albrecht die Nachfolge nicht in Richtung Informatik besetzt. Damals standen die Mathematiker den Computern noch skeptisch gegenüber. Ein mögliches Dissertationsthema über die Optimierung von Abfrage der medizinischen Befunde wurde daher abgelehnt, so dass ich in die Wirtschaft wechselte bzw. wechseln musste. Am gemeinsamen Rechenzentrum der Universität und Technischen Universität Wien war ich 1974 bis 1978 Dauergast als Anwender von der Computerfirma Control Data.
Eine Pointe: ich wurde 1985 später in meinem Berufsleben in München zuerst "Dozent" und später Leiter des Schulungszentrum der Firma Digital Equipment (quasi eine "Fakultät" mit dreißig "Dozenten").Der Begriff "Dozent" war in der BRD üblich und ist NICHT wie im Universitäts-Bereich zu verstehen.
An meine Zeit als Student und Angestellter an der Universität Graz (speziell an meinen Mentor Dr. Gell) denke ich mit Freude und Dankbarkeit zurück. Auch wenn ich als Informatiker die Zeit mit Univ.-Prof. Maurer nicht mehr erleben durfte: Ich verließ 1973 die Universität Graz und wechselte zu amerikanischen Computerherstellern nach Genf/Zürich, Wien und München.
Mein vier Jahre jüngerer Mitstudent Reinhard Posch (Nachfolger von Univ.-Prof. Maurer) fand da schon ein offeneres Informatik-Umfeld in Graz vor (verglichen mit 1969).