Martin Gritsch
Aktuell: Martin Gritsch lebt in Brüssel. Nach seiner Pensionierung engagiert er sich weiterhin im Alumni-Netzwerk als Alumni Mentor
Studien an der Uni Graz: Lehramt Deutsch und Französisch (1979-1986)
Sprachen scheinen eine zentrale Rolle in Ihrem Leben zu spielen. Wie haben Sprachen Ihren Bildungs- und Berufsweg geprägt?
Sprachen sind der rote Faden in meinem Leben - ob Fremdsprachen wie Französisch und Englisch, Programmiersprachen oder faszinierende Plansprachen wie Esperanto. In den 1980er-Jahren kombinierte ich ein Lehramtsstudium für Deutsch und Französisch an der Uni Graz mit dem Fach Technische Mathematik / Informatik an der TU Graz.
Wo haben Sie Ihre ersten beruflichen Erfahrungen nach dem Studium gesammelt? Wie gings weiter?
Nach ersten beruflichen Stationen bei AVL List und Joanneum Research sowie vier Jahren als Gymnasiallehrer folgte 1996 der große Wendepunkt: Kurz nach dem EU-Beitritt Österreichs gehörte ich zu den ersten Österreicherinnen und Österreichern, die den Schritt nach Brüssel wagten.
Damit startete eine spannende IT-Karriere innerhalb der EU-Institutionen, die mich vom zentralen Informatikdienst über die Generaldirektion Umwelt bis ins Generalsekretariat der Europäischen Kommission führte.
Was haben Sie aus Ihrem Studium in Graz für Ihren weiteren Weg mitgenommen?
Das Fundament für meine EU-Karriere legte mein Studium in Graz: Es vermittelte mir nicht nur Weltoffenheit und Flexibilität, sondern auch die sehr guten Französischkenntnisse, die für mein Berufs- und Alltagsleben in Brüssel essenziell waren.
Was hat sich über die Jahre in Brüssel verändert?
In den 90er-Jahren war Französisch die prägende Arbeitssprache in den Institutionen. Mit den EU-Erweiterungen hat sich die Dynamik geändert: Heute dominiert Englisch den Alltagsbetrieb. Deutsch spielt leider in Brüssel trotz seines Status als offizielle Arbeitssprache nur eine untergeordnete Rolle.
Sie sprechen von einem langjährigen Kontakt zur Uni Graz. Wie hat sich diese Verbindung über die Jahre gestaltet?
Der Kontakt zur Uni Graz blieb über all die Jahrzehnte aufrecht. Dank des großartigen Engagements von Verena Mertelanz hat sich in Brüssel ein aktives Absolventen:innen-Chapter etabliert, an dem ich sehr gerne teilnehme. Hier treffen sich Alumni unterschiedlicher Fachrichtungen bei gemütlichen Stammtischen oder hochkarätigen Events mit renommierten Forschenden aus Graz.
Auch Rektor Riedler nutzt das Brüsseler Netzwerk regelmäßig für den persönlichen Austausch über neue Schwerpunkte der Uni Graz.
Wie engagieren Sie sich heute – nach Ihrem Ruhestand – noch für die Uni Graz ?
Seit meinem Ruhestand vor zwei Jahren nehme ich auch am Mentorenprogramm der Uni Graz teil: Ich möchte Studierende und Absolvent:innen für eine Laufbahn in Brüssel begeistern und sie bei ihren ersten Schritten begleiten.
Was möchten Sie jungen Menschen mitgeben, die über eine Karriere in Brüssel nachdenken?
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Wie kann man mit Ihnen in Verbindung treten?
Interessierte können sich auf der Mentoringplattform registrieren und sich über diesen Weg mit mir in Verbindung setzen. Es würde mich freuen, wenn das potenzielle Bewerber:innen für eine EU-Karriere anregt, Kontakt mit mir aufzunehmen.
Stichwort Ruhestand: Sie sind weiterhin sehr aktiv, unter anderem im Bereich Esperanto. Welche Rolle spielt Esperanto in Ihrem Leben?
Mit meinem Ruhestand bleibt nun mehr Raum für persönliche Projekte, unter anderem Esperanto. In diesem Jahr durfte ich die erfolgreiche Bewerbung der österreichischen Esperanto-Kultur als immaterielles nationales Kulturerbe koordinieren und im Organisationsteam des Esperanto-Weltkongresses in Graz mitwirken, der Anfang August über 1.000 Teilnehmende aus 60 Ländern zusammenbrachte. Mein Wunsch ist es, Sprach-, Kultur- und Geschichtswissenschaftler an der Uni Graz anzuregen, sich mit dieser vielschichtigen Sprache zu beschäftigen. Und wer weiß: Vielleicht gibt es an der Uni Graz schon bald wieder jenen Esperantokurs, in dem damals mein eigenes Interesse für die Sprache entfacht wurde.