Am Areal der ehemaligen „Vorklinik“ entsteht bis 2030 das neue Graz Center of Physics (GCP). Es wird einen wesentlich höheren Grünflächenanteil und darüber hinaus noch viele weitere nachhaltige „Goodies“ haben. Quasi in Sichtweite zum GCP ist derzeit eine weitere Großbaustelle: Das denkmalgeschützte Gebäude Universitätsplatz 4 wird zum Haus der Bildungswissenschaften (ab 2027). Auch hier setzt die Uni Graz voll auf Nachhaltigkeit.
Graz Center of Physics (GCP)
Zertifizierung
Das GCP wird nach ÖGNI (Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft) zertifiziert und hat bereits ein Vorzertifikat in Gold. Für die Fertigstellung wird sogar eine Übererfüllung des „ÖGNI Gold“-Standards angestrebt.
Flächen
Das Areal hat eine Gesamtfläche von rund 63.900 m², wovon ca. 17.500 m² bebaut werden. Das Gebäude besteht aus einem Erdgeschoss, sechs Ober‐ und zwei Untergeschossen. Die maximale Gebäudehöhe ist auf 28 m limitiert. Versiegelte Fläche (Gebäudefläche ohne Gründach oder Freifläche mit luft‐ und wasserundurchlässigem Belag): vorher 12.538 m², dann 6.862 m². Dachbegrünung 3.247 m², Begrünung von Außenwänden und Mauern 485 m².
Bäume
Es wird 42 Ersatzbäume im Schwammstadtprinzip geben. Das Schwammstadtprinzip führt Oberflächenwasser direkt dem Wurzelraum zu, was gesundes Gehölzwachstum und Verdunstung vor Ort bewirkt. Diese Stadtbäume werden gegen Ende der Bauarbeiten in der Harrachgasse, Goethestraße und Attemsgasse gepflanzt.
Stadtterrasse
In diesem Bereich kommen Blumenrasen und Wiesenflächen, die 12 bis 15 cm über dem Niveau der begehbaren Flächen liegen und leicht modelliert sind. Zudem werden Gräser, Stauden und Gehölze, nämlich 34 Stück Gebüsche und Kleinbäume, in Baumringen aus Stahlblech und in Substratmodellierungen gepflanzt. Die Pflanzenartenauswahl berücksichtigt die besonderen Rahmenbedingungen des urbanen Standorts und ist Lebensgrundlage für zahlreiche Tierarten.
Nistplätze
Vor allem in Attika‐Bereichen werden Quartiere für Tiere eingebaut: Über eine Gesamtlänge von ca. 100 m werden Fledermaus‐Spaltenquartiere errichtet, indem außenseitig wandparallele, schmale Hohlräume mit unten liegenden Einflugspalten eingeplant sind. Zusätzlich werden direkt in der Fassade Nistmöglichkeiten (Niststeine) für Vögel angebracht, konkret: 30 Mauersegler‐Quartiere, 20 Halbhöhlen‐Quartiere für z. B. den Hausrotschwanz, 20 künstliche Mehlschwalben‐Nester und 20 Höhlenbrüter‐Kästen.
Ameisenlöwen
Im nicht begehbaren Dachbereich werden folgende Quartiermöglichkeiten für Tiere geschaffen: 10 Laufmeter Nisthilfen für Wildbienen, 5 Hummelnistkästen (auf der Stadtterrasse), 50 m² Fläche mit feinem Sand. Hier nisten verschiedene Wildbienen sehr gerne, zudem ist der Sand Lebensraum für viele weitere Arten wie z. B. Ameisenlöwen.
Wasser
Geplant sind zwei Kleingewässer von jeweils ca. 1,5 m² Fläche mit mäßig steilen Ufern und einer Wassertiefe von 20 bis 25 cm. Am Gewässerboden wird ca. 3 cm Sand als Substrat eingebracht. Die beiden Gewässer werden ausschließlich von Regenwasser gespeist und können auch zeitweise austrocknen. Sie sind als Lebensraum und Trinkmöglichkeit gerade im urbanen Umfeld insbesondere für viele Insektenarten von großer Bedeutung.
Totholz
50 Laufmeter Totholz, bestehend aus 50 cm langen Holzscheiten, Höhe 1 m, werden regengeschützt aufgestellt. Sie dienen vielen Arten als willkommene Nahrungsquelle, Lebens- und Fortpflanzungsstätte.
Fahrräder
Im unterirdischen Fahrraddeck haben 310 Fahrräder Platz, davon ca. 70 Stück für Uni-Mitarbeitende in einem eigenen Raum. Im Außenbereich werden ca. 300 Stellplätze errichtet, und zwar am Uni- Gelände, in der Harrachgasse, in der Goethestraße und in der Attemsgasse. Derzeit gibt es am Campus ca. 1.600 Fahrradstellplätze.
Photovoltaik
Am Gebäude werden rund 1.000 Photovoltaikelemente mit einer Fläche von ca. 1.900 m² errichtet, was einer Leistung von ca. 400 kWp entspricht.
Erdsonden
Unter dem Gebäude wurden bereits 168 Stück Doppel-U-Sonden mit einer Länge von je 150 m errichtet. Die Sonden produzieren mehr (Wärme- und Kälte-) Energie, als das GCP selbst benötigt. Hier wird es in weiterer Folge einen Ring zur Versorgung der anderen Unigebäude am Campus geben.
Als nachhaltige Universität mit dem Profilbereich Klimaforschung gehen wir mit gutem Beispiel voran und achten bei der Umsetzung aller Bauprojekte – wo es möglich ist – gemeinsam mit der BIG auf eine ressourcenschonende Bauweise und Ausstattung sowie den Einsatz neuester Technologien bei der Energiegewinnung und -rückgewinnung. Damit kommen wir unserem Ziel, bis 2040 echte Klimaneutralität zu erreichen, einen großen Schritt näher.
Rektor Peter Riedler
Gebäude Universitätsplatz 4
Haus der Bildungswissenschaften
Genau 125 Jahre nach der Eröffnung des Gebäudes, das vom Architekten Wilhelm von Rezori entworfen wurde, bekommt die 10.200 m² große Nettoraumfläche (5.200 m² Nutzfläche) neue Nutzer:innen. 2027 werden die Arbeitsbereiche der Erziehungs- und Bildungswissenschaften, die derzeit auf mehrere Standorte verteilt sind, sowie das Dekanat der Umwelt-, Regional- und Bildungswissenschaftlichen (URBI) Fakultät einziehen. Zuletzt waren in dem Haus unter anderem Teile der Med-Uni untergebracht.
Generalsanierung
Das denkmalgeschützte Gebäude wird generalsaniert. Zubauten der letzten Jahrzehnte werden entfernt, das Dachgeschoss neu ausgebaut. Zusätzlich kommen eine neue Galerie im Innenhof und drei neue Lifte, die den barrierefreien Zugang sicherstellen. Für optimale Lehrbedingungen werden Seminarräume mit einer Gesamtkapazität von 1.260 Sitzplätzen errichtet.
Energieeffizienz
Wie bei Neubauten an der Uni Graz üblich, wird auch bei dieser Generalsanierung die Energieeffizienz optimiert. Auf einer Fläche von 530 m² werden 276 PV-Module installiert, die mit geplanten 121 kWp einen Jahresertrag von ca. 124.235 kWh haben. Beheizt wird das Gebäude über ein Niedrigtemperatursystem, das aus Wärme von Servern aus dem benachbarten RESOWI-Zentrum sowie der geplanten Geothermie-Anlage des Graz Center of Physics gespeist wird.
Fenster
Die Fenstergläser werden zur Dämmung gegen Hitze und Kälte gegen spezielle Isoliergläser getauscht. Das natürliche Licht wird mit Tageslichtsteuerung und Lichtmanagementsystemen optimal genutzt.
PKW und Fahrrad
Im Außenbereich kommt es zur Entsiegelung der Parkplätze auf der Ostseite (35 Stellplätze). Die nachhaltige Mobilität wird auch gefördert: Im Untergeschoss entsteht eine Garage für 300 Fahrräder.