Einsatz auf hoher See
Markus Trebuch hat an der Uni Graz Deutsch und Geschichte Lehramt studiert. Wenn er jetzt vor einer Klasse steht, tut er das allerdings nicht als Lehrer, sondern als Vortragender von Sea Shepherd Austria. Die international tätige Organisation engagiert sich für einen besseren Schutz unserer Meere und Meeresbewohner. Markus Trebuch ist Direktor von Sea Shepherd Austria und Crew Coordinator von Sea Shepherd Global. In dieser Funktion stellt er Crews für Schiffe zusammen, die auf allen Weltmeeren im Einsatz sind. Soziales und gesellschaftspolitisches Engagement war dem gebürtigen Kärntner schon früh wichtig: Mit 17 Jahren ging er zum Roten Kreuz, während des Studiums war er in der ÖH aktiv, zwei Jahre davon als Vorsitzender. In diese Zeit fällt auch sein erster Kontakt mit Sea Shepherd: „Im Büro einer damaligen Kollegin hing ein großes Plakat der Organisation. Ich habe sie darauf angesprochen und nach meinem Studium bin ich selbst Mitglied geworden.“
2018 hatte er seinen ersten großen Einsatz vor der Ostküste Siziliens. „Dort gibt es ein Meeresschutzgebiet, das stark von Wilderei betroffen ist. Hauptsächlich werden illegal Seeigel und Seegurken gefangen, für die es einen großen Schwarzmarkt gibt. Wir haben dort patrouilliert.“
Keinen Beitrag zu leisten ist keine Option
Auf die Frage, warum er für die Weltmeere kämpft und ob das nicht vergeblich sei, antwortet Trebuch mit einem Buchtitel der Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb: „Für Pessimismus ist es zu spät. Wir sind Teil der Lösung.“ Und er ergänzt: „Keinen Beitrag zu leisten ist keine Option. Ich will, dass meine Nichten und Neffen in einer gesunden Welt aufwachsen. Wenn sie mich einmal fragen, was ich dafür getan habe, möchte ich antworten können: Alles, was mir möglich war!“
Ein- bis zweimal pro Jahr ist er selbst auf Kampagne im Einsatz, zum Beispiel bei den Färöerinseln. Dort gibt es nach wie vor den sogenannten Grindadráp, bei dem hunderte Pilotwale und Delphine mit Motorbooten eingekreist, an den Strand getrieben und abgeschlachtet werden. „Das ist gesetzlich erlaubt. Wir versuchen aber, die ansässige Bevölkerung über die Folgen aufzuklären und Bewusstseinsbildung zu betreiben. Wir müssen verstehen, dass unsere Ressourcen nicht endlos sind und wir Balance brauchen. Andernfalls werden wir viel von dem, was am Land und im Wasser ist, verlieren. Die Ozeane zu schützen ist eine klimapolitisch wichtige Aufgabe. Das Meer ist unser Hauptklimamotor und federt die Klimakrise ab.“ Wer unterstützen möchte, kann sich bei Sea Shepherd melden oder sein Konsumverhalten überdenken. Der einfache Rat des Experten: „Auf alles, was aus dem Meer kommt, verzichten!“
Humanitäre Hilfe
Du diskutierst gerne und setzt dich gerne für andere ein. Vielleicht wäre Jus eine gute Wahl?“, meinten die Eltern. Tochter Sibel Langlet-Uranüs folgte dem Rat, studierte an der Uni Graz Rechtswissenschaften und war vor allem von den Lehrveranstaltungen im Völkerrecht mit dem Schwerpunkt Menschenrechte fasziniert. Seit 2019 ist sie nun als Rechtsexpertin bei UNHCR in Wien tätig. Mit dem UN-Flüchtlingshilfswerk, das weltweit den Schutz und die Unterstützung von Flüchtlingen, Binnenvertriebenen und Staatenlosen zum Ziel hat, kam sie erstmals durch ihre Dissertation in Kontakt. Sie forschte zu Altersfeststellungen in Asylverfahren. Um ihre Kenntnisse im Bereich Menschenrechte weiter zu vertiefen, absolvierte die Grazerin von 2018 bis 2019 ein Auslandsstudium an der Columbia University in New York. Dort arbeitete sie auch ehrenamtlich für eine international bekannte Juristin: für Amal Clooney. „Ich habe sie bei verschiedenen Forschungsprojekten mit Recherchen unterstützt.“
Es geht nicht nur um Gesetze und Verfahren.
Die in den letzten Jahren stetig restriktiver werdende Haltung gegenüber Geflüchteten spürt man bei UNHCR. „Das macht unsere Arbeit oft schwieriger, aber auch umso wichtiger. Für uns als UNHCR ist es zentral, für die Rechte von Flüchtlingen einzutreten und ihren Schutz einzufordern. Dabei geht es uns aber nicht nur um Gesetze und Verfahren, die den Zugang zu Schutz sicherstellen, sondern auch darum, Positives sichtbar zu machen. Wir wünschen uns, dass Geflüchtete als Menschen mit Geschichten, Fähigkeiten und großem Potenzial gesehen werden.“
In der Flüchtlingshilfe zu arbeiten hat sich für die Juristin „ganz natürlich ergeben“. Im Flüchtlingsjahr 2015 hat sie sich freiwillig engagiert und ist dabei erstmals intensiver mit dem Asylrecht und Flüchtlingsschutz in Berührung gekommen. „Und das hat mich einfach sehr beschäftigt. Was mich bis heute begeistert, ist die Mischung aus spannenden rechtlichen Fragen sowie komplexen Herausforderungen in der Praxis – und vor allem die Nähe zu den Menschen.“ Als besonders wertvoll empfindet Sibel Langlet-Uranüs die Zusammenarbeit mit NGOs und Anwält:innen. „Im Netzwerk Asyl Anwält:innen (NWAA) arbeiten wir etwa gemeinsam an strategischen Fällen, um strukturelle Probleme von Geflüchteten sichtbar zu machen und vor die Höchstgerichte zu bringen. Zu sehen, was möglich ist, wenn viele an einem Strang ziehen, gibt viel Kraft.
Ein besonders motivierendes Beispiel war ein wegweisendes Urteil des Europäischen Gerichtshofes, in dem klargestellt wurde, dass Frauen und Mädchen aus Afghanistan aufgrund der repressiven Maßnahmen des Taliban-Regimes Verfolgung droht. Diese Entscheidung hatte ganz konkrete Verbesserungen für Frauen und Mädchen zur Folge, sie bekommen nun in ganz Europa internationalen Schutz.“
Glatteiswarner fürs Spital
Wenn ältere Menschen stationär in einem Spital aufgenommen werden, gibt es meist eine umfangreiche Patientenakte. Doch diese intensiv durchzuschauen – dafür fehlt die Zeit. Genau bei dieser Problematik setzt Diether Kramer mit seinem Unternehmen Predicting Health an.
Unser System ist ungefähr so wie ein Glatteiswarner im Auto
„Wir erstellen KI-gestützte Risikoprognosen in den Bereichen Sturzgefährdung, Schluckstörung, Mangelernährung und Delir, das ist ein plötzlich auftretender Verwirrtheitszustand.“ Damit spannt der Grazer älteren Patient:innen ein zusätzliches Sicherheitsnetz. „Unser System ist ungefähr so wie ein Glatteiswarner im Auto“, erklärt Kramer. Ein mögliches Risiko in den vier Bereichen wird dem Krankenhauspersonal automatisch am Computer des Stationsarbeitsplatzes angezeigt. Mit diesem Wissen kann die entsprechende Prophylaxe beginnen und das jeweilige Risiko minimiert werden. Eine Studie zeigt, dass die Erkrankten dadurch im Schnitt zwei Tage kürzer im Spital sind, das Pflegepersonal entlastet wird und Kosten eingespart werden.
Diether Kramer hat sich nach einem Soziologie- und VWL-Studium im Rahmen seiner Dissertation mit der Frage beschäftigt, warum die Lebenserwartung in den vergangenen 200 Jahren gestiegen ist. „Dafür habe ich viele Gesundheitsdaten benötigt, die mit statistischer Methodik verarbeitet wurden.“ Nach einem kurzen Abstecher zu einer Pharmafirma in Wien kehrte der Grazer in seine Heimatstadt zurück und heuerte bei der KAGes (Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft) an. „Diese hatte damals eine Stelle ausgeschrieben, in der es um innovative Datennutzung ging. Ich habe diesen Bereich aufgebaut und 2018 waren wir mit dem System erstmals im klinischen Betrieb.“
Die Anwendung war erfolgreich und andere Krankenhausträger wurden darauf aufmerksam. Das brachte ein gewisses Dilemma, denn als KAGes konnte man das System nicht einfach an andere Träger weitergeben. Die Lösung lag in der Gründung einer eigenen Firma, die Diether Kramer seit 2019 erfolgreich mit mittlerweile vier Mitarbeitenden führt. Derzeit ist das System an 17 Häusern in mehreren Bundesländern installiert, meistens auf allgemeinchirurgischen Stationen. Das Ziel ist es, Predicting Health sowohl geografisch als auch indikatorisch weiterzuentwickeln, also über Österreich hinaus zu wachsen und zusätzliche Risikobereiche wie zum Beispiel Sepsis, Dehydrierung oder Medikamentenunverträglichkeiten abzudecken.