Als Tochterunternehmen der Universität bietet das Unicorn in der Schubertstraße in Graz Raum, Infrastruktur und Services für Start-ups, Scale-ups und Corporates. Dabei wird bewusst auf eine Mischung aus jungen und etablierten Unternehmen und Supportorganisationen gesetzt, um das gesamte Innovationsökosystem abzubilden. Die Schwerpunkte liegen in der Unterstützung von Gründungen aus der Wissenschaft (Spin-offs), der Vernetzung zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Start-ups, der Schaffung eines innovativen und produktiven Arbeitsumfeldssowie dem Angebot von Infrastruktur, Programmen, Netzwerken und Beratung für Gründende. Die Branchenvielfalt bildet dabei alle Standortschwerpunkte der Steiermark ab, ein verbindendes Element sind immer stärker Daten- und KI-Anwendungen.
„Essenziell ist auch unsere Funktion als Drehscheibe für die Innovationscommunity in Graz und der Steiermark. Wir sind regelmäßig als Veranstalter oder Gastgeber von Events aktiv – im Schnitt finden zwei bis drei Veranstaltungen pro Woche statt. Unsere Veranstaltungs- und Workshopräume können auch extern gemietet werden“, erklärt Geschäftsführer Bernhard Weber. Besonders wertvoll sei, dass hier täglich Unternehmer:innen, Forschende, Investor:innen und innovationsbegeisterte Menschen aufeinandertreffen.
Ein Innovationshub ist mittlerweile ein zentraler Bestandteil einer modernen Universität. Internationale Erfahrungen zeigen: Standortentwicklung entsteht rund um starke Universitäten – und durch aktive Schnittstellen. Bernhard Weber: „Das Unicorn versteht sich daher als offener Hub für den gesamten Standort, nicht nur für die Universität Graz. Wir sind eng vernetzt mit anderen Hochschulen, regionalen Partnern und europäischen Netzwerken. Wer sich für das Unicorn interessiert, kann sich jederzeit bei uns melden – eine E-Mail oder ein Anruf lohnt sich immer.“
Unicorn
Ein Unicorn (Einhorn) ist in der Wirtschaftssprache ein nicht börsennotiertes Start-up-Unternehmen, das mit über 1 Milliarde US-Dollar bewertet wird. Die Bezeichnung unterstreicht die Seltenheit. Bekannte internationale Beispiele sind Uber (vor dem IPO) oder Airbnb, bekannte österreichische Unicorns sind Bitpanda, GoStudent, Loxone oder TTTech Auto.
Auf dem Weg zum Unicorn …
… PureSurf
Begonnen hat alles um das Jahr 2017 an der Universität Groningen in den Niederlanden. Dort suchte Forscherin Katalin Barta Weissert (siehe auch Beitrag "Grüne Chemie) nach potenziellen Produkten für neuartige biobasierte Plattformchemikalien aus Holz. Zwei Jahre später wechselte die vielfach ausgezeichnete Forscherin an die Universität Graz und brachte gemeinsam mit einem Dissertanten die Idee zur biobasierten Tensidforschung mit. 2020 kam Markus Hochegger-Krawanja direkt nach seinem Doktorat als Postdoc in die Arbeitsgruppe. Im Rahmen seiner Forschung baute er die erforderliche Analytik auf, um das kommerzielle Potenzial der entwickelten Tenside zu identifizieren. Nach ersten vielversprechenden Ergebnissen gelang 2022 ein weiterer wichtiger Schritt: Die Forschung erhielt einen hochdotierten EIC Transition Grant, eine renommierte Förderung des European Innovation Council, mit der europaweit nur exzellente Kommerzialisierungsprojekte ausgezeichnet werden.
In der Wissenschaft haben wir gesicherte Daten. Als Unternehmer bin ich mehr Risiken ausgesetzt, weil sich der Markt schnell verändert.
Für Markus Hochegger-Krawanja begann damit der Wechsel vom Postdoc zum Unternehmer, „was doch ein großer Unterschied ist“, wie er sagt. „In der Wissenschaft stützen wir unsere Entscheidungen auf gesicherte Daten und bewährte Methoden, das gibt Sicherheit. Als Unternehmer bin ich jedoch mehr Risiken ausgesetzt, weil viele Faktoren am Markt intransparent sind und sich schnell verändern.“ Hochegger-Krawanja besuchte entsprechende Workshops und Deep Dives und hatte in der Frühphase mit Michael Freidl, Markus Nachbagauer (beide Unicorn) und Business Angel Werner Wutscher starke Mentoren. Markus Hochegger-Krawanja: „Auch die Universität Graz hat uns entscheidend unterstützt – sei es durch die Beratung des Tech-Transfer-Büros, die Förderung durch das Spin-off Lab oder die Zusammenarbeit mit Studierenden, die uns zum Beispiel mit Marktanalysen geholfen haben.“
Im Vorjahr haben Markus Hochegger-Krawanja, Katalin Barta Weissert, Bálint Batha und Stefan Schwaiger gemeinsam die „PureSurf FlexCo“ gegründet. Die Firma entwickelt biobasierte Tenside aus lokal verfügbaren Rohstoffen, die leistungsstark und zugleich nachhaltig sind. Der Markteintritt ist mit dem 4. Quartal 2026 geplant, vorerst mit hocheffizienten Oberflächenreinigern. Damit ist der Weg vom Forschungsprojekt zum Unternehmen abgeschlossen – und die Reise beginnt.
Auf dem Weg zum Unicorn …
… ionida
Im Wissenschaftsbereich ist ein Spin-off eine Unternehmensgründung, die auf den Forschungsergebnissen von Universitäten basiert. Es kommt zum Technologietransfer, indem wissenschaftliches Wissen aus der Grundlagenforschung in marktreife Produkte umgesetzt wird.
Chemiker James Jennings von der Uni Graz hat 2024 gemeinsam mit dem Physiker Kurt Mayer von der TU Graz das Spin-off ProLipEM gestartet. In diesem Projekt wurden umweltfreundliche Kohlenwasserstoff-Alternativen zu herkömmlichen Polymermembranen für Brennstoffzellen entwickelt. Dafür gab es von der FFG (Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft) eine gut dotierte Spin-off Fellowship. Bei dieser Fellowship werden Forscher:innen und Studierende mit Unternehmergeist bei der Weiterentwicklung ihrer Ideen in Richtung Ausgründung unterstützt. Weitere Forschungsgelder wurden durch die Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft aws und die Steirische Wirtschaftsförderungsgesellschaft SFG lukriert.
Mittlerweile heißt ProLipEM „ionida“ und das Team hat sich auf 4 Vollzeitund eine Teilzeitkraft vergrößert. James Jennings: „Unser Ziel ist es, Membranen frei von toxischen und äußerst langlebigen ‚Ewigkeitschemikalien‘ zu machen und dabei gleichzeitig Leistung und Lebensdauer zu steigern.“
Wir ermöglichen es dem Wasserstoffsektor, auf grünere Materialien mit geringeren Kosten umzusteigen.
Aktuell basieren leistungsstarke Membranen häufig auf sogenannten PFAS. Das sind Stoffe, die in der Umwelt und im gesamten Ökosystem bedenklich sind. ionida-Co-Gründerin Dunja Asceric ergänzt: „Unsere Membranen werden aus saubereren Ausgangsmaterialien hergestellt, um Toxizität und langfristige Umweltbelastung zu minimieren. Darüber hinaus sind unsere Membranen darauf ausgelegt, anspruchsvollere Betriebsbedingungen zu bewältigen: erhöhte Temperaturen und geringere Luftfeuchtigkeit, wie sie für die nächste Generation von Brennstoffzellen und Elektrolyseuren erforderlich sind. Wir ermöglichen es dem Wasserstoffsektor, auf grünere Materialien mit geringeren Kosten umzusteigen.“
Im April folgte mit der Gründung einer FlexCo ein wichtiger Schritt. Große Unterstützung auf dem Weg zum Unternehmertum gab es durch das Tech-Transfer-Büro, das Unicorn (beide Uni Graz) und den Science Park Graz. Jetzt geht es darum, Kunden zu finden. Gleichzeitig steht das Jahr 2026 aber noch im Zeichen von Forschung und Weiterentwicklung. Der Markteintritt ist für 2027 geplant.
Das Gefühl nach der erfolgreichen Gründung beschreibt James Jennings mit „erleichtert“: „Wir sind ein starkes, flexibles, neugieriges und geduldiges Team, das nach der Unterschrift des Gesellschaftsvertrags noch enger zusammengewachsen ist.“ Das klingt nach guten Voraussetzungen für die Zukunft.