Rasante Reise
Ich war schon immer sehr neugierig auf andere Kulturen und interessiere mich stark für internationale Politik und Zusammenarbeit. Daher war für mich schon relativ früh klar, dass ich irgendwann im Ausland leben und arbeiten möchte“, sagt Eva Zandonella. Die Grazerin hat dieses Vorhaben perfekt umgesetzt. Nach ihrem Bachelor-Abschluss in Geschichte und Politikwissenschaft ging sie für zwei Masterstudien an die Universität Leiden in den Niederlanden. Zwischen den beiden Studienprogrammen absolvierte sie ein Praktikum bei der NGO EUROCLIO in Den Haag, danach folgte ein Praktikum bei der Europäischen Kommission in der Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Integration in Brüssel. Im Anschluss arbeitete sie dort noch rund eineinhalb Jahre weiter, 2020 wechselte sie zur Generaldirektion Regionalpolitik und Stadtentwicklung. Seit Februar 2025 ist Eva Zandonella Policy Analystin im Public Governance Directorate der OECD in Paris.
Sehr spannend war für mich das Engagement in mehreren Studierendenorganisationen.
Aber nicht nur die Zeit im Ausland, sondern auch die Zeit während des Studiums in Graz hat ihr viele Erfahrungen gebracht: „Sehr spannend war für mich das Engagement in mehreren Studierendenorganisationen, unter anderem im Vorstand von IAESTE Graz (International Association for the Exchange of Students for Technical Experience) und später auch im Vorstand des nationalen Dachverbands IAESTE Austria. Das hat mir früh Einblicke in internationale Zusammenarbeit, Organisation und Projektarbeit gegeben.“
Das Geschichtestudium an der Uni Graz beschreibt sie als vielseitig. Es ermöglichte ihr, bereits im Bachelor interdisziplinär zu lernen und zu arbeiten. „Rückblickend glaube ich, dass gerade diese inhaltliche Breite und die Möglichkeit, eigene Interessen zu vertiefen, wesentlich dazu beigetragen haben, dass mein beruflicher Weg bis jetzt so abwechslungsreich verlaufen ist. Und ich hoffe, das wird er auch weiterhin bleiben!“
Gute Kondition
Wer den alpinen Skiweltcup ein wenig verfolgt, der weiß: Das US-Skiteam der Frauen ist richtig stark und fährt vor allem in den technischen Disziplinen immer um den Sieg mit. Neben Mikaela Shiffrin haben sich in den vergangenen Saisonen weitere US-Skifahrerinnen im Spitzenfeld etabliert. Zu deren Erfolg trägt auch ein Steirer bei, nämlich der gebürtige Donnersbacher Bernd Wiener. Er hat an der Uni Graz Sportwissenschaften studiert und war nach Stationen in einem Fitnessstudio und an zwei heimischen Fußballakademien für den ÖSV (Österreichischer Skiverband) tätig. 2023 folgte der Ruf aus Amerika, „und da vieles aus der Sportwissenschaft aus den USA, Australien sowie Großbritannien kommt, wollte ich diese Chance nutzen. Die Möglichkeiten im Bereich Strength & Conditioning sind in den USA ganz andere. Das Center in Park City, Utah, in dem ich bin, ist wirklich riesengroß und vergleichbar mit dem eines NFL-Teams (National Football League)“, erzählt Wiener. Er ist Strength & Conditioning Coach der US Weltcup Tech Damen und die ganze Saison mit dem Team unterwegs. Konkret heißt das 210 Tage im Jahr.
Dazu kommt von Mai bis Juli das Sommertraining. Die „Off-Season“ ist kurz und dauert von Mitte/Ende April bis Ende Juli. „Von Mai bis Ende Juli wird intensiv im Dryland-Bereich gearbeitet. In dieser Zeit lebe ich in Österreich und fliege zwei- bis dreimal zu den Athletinnen in die USA“, so Wiener. Das Studium an der Uni Graz hat ihn die Basis in den verschiedenen Bereichen der Sportwissenschaft gelehrt, worauf er bei seinen beruflichen Tätigkeiten aufbauen konnte. „Sport war schon immer Teil meines Lebens und auch die Wissenschaft dahinter hat mich interessiert. Somit war das Spowi-Studium naheliegend.“ Die Uni Graz wählte er aufgrund des Lehrplans und aufgrund von Freunden, mit denen er zu studieren begann. Den Kontakt hat er aufrechterhalten. Der Besuch bei den Großeltern sowie ein klassisches Wiener Schnitzel und ein Kaiserschmarrn dürfen beim Heimurlaub aber auch nie fehlen.
Langes Leben
Ich habe mir in jungen Jahren gedacht, dass ich eine große, bedeutende Anwältin oder Richterin werde – gekommen ist es ganz anders“, lacht Gerhild Hornbanger. Für die Juristin „gibt es einfach zu viele schöne, spannende und faszinierende Plätze in dieser Welt, um nur an einem Ort zu bleiben“. Mit dem „internationalen Virus“ wurde sie von ihrem Mann angesteckt. Die beiden haben 2004 beschlossen, auf Reisen zu gehen. Die bisherigen Stationen: Shanghai – Peking – Hongkong – Philippinen – Hongkong – Maria Wörth (!) während Covid und seit 2021 Perth in Westaustralien. Die beiden Töchter besuchen eine internationale Schule mit 64 Nationalitäten. „In dieser Schule sind Kinder aus Israel, Iran, USA und Russland engste Freunde. Das gibt mir Hoffnung in deprimierenden politischen
Zeiten wie diesen.“
Beruflich ist Gerhild Hornbanger Co-Founder und Co-CEO eines Nutraceutical-Unternehmens in Singapur. „Wir fokussieren uns auf das Thema Longevity und gesundes Altern mit operativem Schwerpunkt und Vertrieb in Asien. Longevity heißt für mich keinesfalls ‚unsterblich‘ sein zu wollen – es geht vielmehr um Lebensqualität und Gesundheit bis ins hohe Alter.“ Um im Ausland erfolgreich zu sein, muss man sich auf andere Kulturen einstellen können: „Asien hat eigene Spielregeln im Geschäftsleben. Unsere westlichen Denk- und Handlungsmuster stoßen oft an Grenzen und scheitern auch vielmals.
Die Geschwindigkeit in allen Dingen ist atemberaubend. Wobei man differenzieren muss. Asien ist nicht nur sehr groß und bevölkerungsreich, sondern auch extrem fragmentiert und divers.“ Aber Offenheit, Durchhaltevermögen, Freundschaft und lebenslanges Lernen führen zum Erfolg. Diese Skills sind bei der Steirerin bereits während des Studiums in Graz gereift. „Geprägt haben mich aber auch meine jahrelangen Nebenjobs als Studienassistentin am Zivilrechtsinstitut und im Gastgewerbe im Bermuda-Dreieck. Hier geht es auch darum, durchzubeißen und sich unterordnen zu können. Bei manchen jungen Menschen fehlt das heutzutage leider.“
Gesunde Neugierde
Von meiner Geburtsstadt Leoben zum BWL-Studium nach Graz – das war genau richtig für meine ersten Schritte aus dem Nest heraus“, sagt Bettina Simonetic. Dann sind die Schritte größer geworden und brachten sie bis nach Dublin, wo sie seit 2018 arbeitet.
Außerdem lernt man über sich selbst am meisten, wenn man die eigene Komfortzone verlässt.
Die Beweggründe sind leicht erklärt: „Ich wollte nach der Uni einfach wissen, wie es ist, in einem anderen Land zu leben, Neues zu erleben und einen neuen Alltag zu kreieren. Außerdem lernt man über sich selbst am meisten, wenn man die eigene Komfortzone verlässt.“ Kürzlich hat sie noch einen weiteren großen Schritt gewagt und ihre eigene Firma im Telekommunikationsbereich gegründet.
An ihrem Job im Ausland faszinieren sie vor allem die Internationalität, die vielen unterschiedlichen Menschen, die Perspektiven und die beruflichen Möglichkeiten, die sich daraus ergeben. „Gerade in Irland trifft man auf Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Welt, nicht zuletzt, weil hier viele große Tech‑Konzerne angesiedelt sind und internationale Talente anziehen.“ Ins Ausland zu gehen war für Bettina Simonetic aber kein mutiger Schritt, wie sie sagt, sondern eher ein neugieriger. Das Fundament für den beruflichen Erfolg hat sie durch ihr Studium geschaffen: „An der Uni Graz habe ich nicht nur eine solide wirtschaftliche Basis erworben, sondern vor allem gelernt, mich wirklich gut selbst zu organisieren. Vieles davon war am Anfang gar nicht geplant – es hat sich durch das Studium, die vielen parallelen Aufgaben und die Freiheit, die man dort hat, ganz natürlich entwickelt. Ich musste lernen, mir meine Zeit einzuteilen, Prioritäten zu setzen und auch unter Druck den Überblick zu behalten. Rückblickend war das eine der wertvollsten Erfahrungen. Das hilft mir vor allem bei der Selbstständigkeit enorm.“