Masterplan
Als Katharina Perl im 5. Semester ihres Psychologiestudiums war, tauchten immer mehr Fragen auf: „Was soll ich nach dem Bachelor machen? Wie soll meine berufliche Zukunft aussehen? Worauf muss ich achten?“ Die Antworten wollte Perl „nicht in die Hände von Google legen. Vielmehr habe ich über einen Verteiler vom Career Mentoring der Uni Graz erfahren und sehr schnell eine für mich passende Mentorin gefunden“.
Nämlich Mentorin Kerstin Benedek, die als klinische und Gesundheitspsychologin tätig ist. Sie hat ebenfalls an der Uni Graz Psychologie studiert und erinnert sich zurück: „Bei der Erstsemestrigen-Beratung wurden wir gleich einmal vor diesem Studium gewarnt. Wollt ihr das wirklich machen? Ihr bekommt keine Jobs …“ Benedek hat sich nicht abschrecken lassen. Vielmehr ist sie selbst aktiv geworden und hat sich in der Studierendenvertretung engagiert. „Es war mir schon immer wichtig, mit den Menschen zu reden, mit denen ich im gleichen Boot sitze. Wenn jede und jeder nur eine Nummer ist, ist das zu wenig.“ Aus dieser Motivation heraus stellt sie sich auch als Mentorin zur Verfügung: „Es gibt zu wenig Psycholog:innen. Ich will junge Menschen, die sich dafür interessieren, unterstützen.“
Man kann viel gewinnen, aber nichts verlieren.
Mentee Katharina Perl
Das erste Treffen der beiden fand in der Praxis von Kerstin Benedek statt. „Auf diese Weise hat Katharina gleich das Psycholog:innen-Setting kennengelernt.“ Das war genau der richtige Ansatz, denn Mentee Perl wollte realistische Einblicke in die Arbeitswelt erhalten, und profunde Begleitung bei einem wichtigen Entscheidungsprozess: „Starte ich im Herbst mit dem neuen Masterstudium Psychotherapie oder bleibe ich bei der Psychologie?“ Durch das Mentoring konnte sie den für sie passenden Weg finden. „Das Mentoring hat mir geholfen“, sagt sie. Und fügt mit einem Schmunzeln an: „Das waren die coolsten ECTS, die ich gemacht habe.“
Selbstständigkeit
Man muss nicht jeden Fehler selber machen. Mit dieser Überlegung und einer kurzen Internetrecherche ist Anton Spreitzer zum Career Mentoring der Uni Graz gestoßen. „Meine konkrete Erwartung war, dass ich auf Aspekte aufmerksam gemacht werde, auf die ich alleine nicht so leicht gekommen wäre. Und dass ich gegenüber einer anderen Person Rechenschaft über meine Fortschritte bei den Vorbereitungsarbeiten zur Selbstständigkeit ablegen muss. Man glaubt gar nicht, wie viel da auf einmal weitergeht!“ Anton Spreitzer ist Pharmazeut und selbstständiger Unternehmensberater sowie als Qualified Person für Radiopharmaka bei einer Firma angestellt. Sein Mentor Harald Lothaller hat Psychologie studiert und arbeitet in Elternteilzeit als Studiendirektor an der Kunst-Uni Graz. Seit über 20 Jahren ist er zudem nebenberuflich als Einpersonenunternehmer und Lehrbeauftragter tätig.
Die beiden haben sich über ein Dreivierteljahr hinweg großteils online getroffen, am Beginn der Selbstständigkeit von Spreitzer mehrmals telefoniert und einen Monat nach seinem Firmenstart gab es einen offiziellen Abschlusstermin. Die Schwerpunkte des Mentoring waren laut Lothaller: Was muss er bedenken, worauf kann er achten, was kann er vorbereiten, was sollte er vermeiden?
„Für diese Punkte haben wir viel Zeit verwendet und damit Anton hoffentlich die eine oder andere Hürde aus dem Weg geräumt.“ Das kann Spreitzer bestätigen: „Alles, wovon Harald gesagt hat, dass es eintreten wird, ist auch tatsächlich eingetreten. Für meine Zukunft kann ich mitnehmen, dass man sich bei größeren beruflichen Veränderungen nicht scheuen soll, Rat bei erfahrenen Personen zu suchen. Dadurch lässt sich so mancher Fehler leicht vermeiden.“
Internationales
Wolfgang Eichert hat VWL studiert und arbeitet als Leiter des EU-Büros des Verbands öffentlicher Versicherer in Brüssel. Er ist seit mehr als zehn Jahren in der belgischen Metropole und hat sich als Mentor zur Verfügung gestellt, weil er weiß, wie viele Fragezeichen es gerade am Anfang einer internationalen Karriere gibt. „Der Schritt ins Ausland, insbesondere nach Brüssel, ist spannend, aber oft schwer greifbar. Da wollte ich meine Erfahrungen weitergeben und ein Stück Orientierung bieten.“ Seit Februar sind er und Nora Mayr ein Mentoring-Tandem. Mayr studiert im 6. Semester Umweltsystemwissenschaften-Economics und steht somit am Ende eines interdisziplinären Bachelors. Warum sie sich für ein Mentoring mit Schwerpunkt Internationales entschieden hat? „Dieser Bereich interessiert mich besonders, weil er sehr gut zu meinen persönlichen Zielen passt und ich die europäische Perspektive als besonders spannend empfinde.“ Mentor Wolfgang Eichert unterstützt sie dabei, ihren Karriereeinstieg klarer zu strukturieren. Ein Schwerpunkt liegt darauf, die verschiedenen Optionen – Master, Praktikum oder auch ein Gap-Semester – besser einzuordnen und zu priorisieren.
„Besonders wertvoll finde ich auch den persönlichen Austausch und die Möglichkeit, konkret und spontan Fragen zu stellen“, sagt Mayr. „Ich nehme auch mit, wie wichtig Netzwerke und persönliche Initiative im internationalen Umfeld sind.“ Wolfgang Eichert hätte sich auf seinem eigenen beruflichen Weg manchmal einen derartigen Austausch gewünscht: „Ein Sparringspartner hätte sicher geholfen, manche Entscheidungen schneller und klarer zu treffen. Bei Abstechern in Sackgassen hätte ich mir ein Mentoring gewünscht, das mir bessere Wege aufzeigt.“