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Nachbericht: Perpignan (Frankreich) 2020

von Marie Michelitsch

Institution: Académie de Montpellier / Frankreich

Studium: LA Romanistik und Anglistik

Zeitraum: von 01/10/2019 bis 31/03/2020

Bewerbung und Unterkunft

Nachdem ich mich zuerst für einen Platz auf Korsika beworben hatte, es dort aber für das besagte Schuljahr keine verfügbaren Plätze gab, habe ich mich für Montpellier entschieden, denn ich wollte unbedingt in den Süden. Mir wurde dann schlussendlich ein Platz in Perpignan angeboten, ca. zwei Autostunden von Montpellier entfernt. In diesem Erfahrungsbericht möchte ich dir grob schildern, wie mein Aufenthalt in Perpignan ablief. Ich möchte dir auch ein paar hilfreiche Tipps geben, um dich auf die eine oder andere Sache vorzubereiten.


Ich habe mich sofort auf die Suche nach einer passenden Unterkunft gemacht. Zuerst erwies sich die Suche als etwas schwierig, da ich unbedingt einen Parkplatz brauchte und der Vermieter Haustiere erlauben musste, da ich meine Hündin überall mitnehme. Auf leboncoin.fr habe ich zwar viele möblierte Unterkünfte gefunden, diese waren aber relativ teuer und sehr oft bekam ich keine Antwort. Ich habe dann auf Airbnb weitergesucht. Natürlich waren die Preise, die auf der Plattform ja pro Nacht berechnet werden, unbezahlbar. Ich habe deshalb einige der Vermieter per Nachricht kontaktiert und hatte das Glück, dass mir eine junge Französin ihr Airbnb für einen Sonderpreis anbot. Sie war froh, auch im Winter etwas Geld mit ihrer Ferienwohnung machen zu können. Ich habe 450 € pro Monat für die Unterkunft bezahlt, inkl. Betriebskosten und Internet. Jedoch befand sich diese Wohnung nicht in Perpignan, sondern in einem kleinen Badeort 15min außerhalb. Dies war aber kein Problem, da ich sowieso mein eigenes Auto hatte. Wäre ich auf öffentliche
Verkehrsmittel angewiesen gewesen, hätte ich diese Unterkunft nicht genommen. Am besten du suchst die Facebookgruppe des Vorjahres der Sprachassistenten in deiner Stadt, sie können dir sicher bei der Suche einer passenden Unterkunft weiterhelfen!

Kontaktaufnahme mit den Schulen


Als ich die drei Schulen, an denen ich Deutsch unterrichten sollte, mitgeteilt bekam, habe ich sogleich die Direktoren per Mail kontaktiert. Ich habe mich kurz vorgestellt und einige Fragen gestellt, z.B.: Gibt es bereits Unterrichtsunterlagen für Deutsch? Welche Altersgruppe werde ich unterrichten? Wie viele SchülerInnen sind in einer Klasse? Welches Sprachniveau werde ich unterrichten? Brauchen Sie Dokumente von mir? Ich erhielt zwei von drei Antworten.


Nach meiner Ankunft in Perpignan habe ich alle drei Schulen telefonisch kontaktiert, um ein erstes Treffen auszumachen. In der ersten Woche habe ich demnach alle drei Schulen besucht, meinen Stundenplan mit den Direktoren besprochen und mich in einigen der Klassen kurz vorgestellt. Die Direktoren waren relativ flexibel und kooperativ bezüglich der Stundenpläne. Nachdem sich die drei Schulen relativ weit voneinander entfernt befinden (Perpignan, Elne und St Estève) war es mir wichtig, den Stundenplan so effektiv wie möglich zu organisieren. Schlussendlich hatte ich meine 12 Unterrichtsstunden auf drei Tage aufgeteilt (Montag, Dienstag und Donnerstag).

Die ersten zwei Wochen

Laut Vertrag musste ich am 1. Oktober in Perpignan sein, ich bin demnach auch erst am 30. September per Auto angereist. Der Unterricht begann sowieso erst zwei Wochen später, aber in der ersten Woche hatten wir einen Informationstag mit allen Assistenten. Hier wurden die ersten organisatorischen Dinge erledigt und wir konnten uns untereinander kennenlernen. In der zweiten Woche gab es ebenfalls drei Einführungstage. Hier gibt es jedoch viel Aufholbedarf! Die präsentierten Informationen sind meiner Meinung nach sehr mangelhaft, mit sehr viel Luft nach
oben. Aufgrund meiner Ausbildung als Lehrerin machte ich mir keine Sorgen. Der Großteil der anderen AssistentInnen hatten jedoch keinerlei Ausbildungen in diesem Bereich und fühlten sich demnach etwas hilflos. Ansonsten habe ich die ersten zwei Wochen genutzt, um die Gegend zu erkunden und meine ersten Unterrichtseinheiten vorzubereiten.


Die wichtigsten Dinge zuerst:
• Du brauchst ein französisches Bankkonto! Abhängig von der Bank kann dies ein paar Wochen in Anspruch nehmen. Ich habe mich für die banque populaire entschieden. Ich fühlte mich sehr gut beraten. Dein erstes Gehalt bekommst du möglicherweise etwas spät, gegen Mitte November! Du solltest also ein bisschen Geld zur Verfügung haben, um ein bis
zwei Monate ohne Einkommen zu überleben.
• Du brauchst die Carte Vitale – deine Sozialversicherung in Frankreich! Uns wurden die Dokumente automatisch per Post zugesendet, dies kann aber ein paar Wochen dauern. Du brauchst hierfür ein Passfoto (in Einkaufszentren gibt es oft Fotoboxen)
• Es ist hilfreich, eine französische Nummer zu haben. Ich habe mir online über NRJ mobile eine Sim-Karte bestellt –günstig und unkompliziert.

Der Unterricht


Ich konnte in allen meinen Klassen (8-11 Jahre alt) das gleiche Programm durchziehen, da sie alle mehr oder weniger von Null begannen. Auch wenn einige von ihnen schon im Vorjahr Deutsch hatten, konnten sie sich an nichts davon erinnern. Es war also unmöglich, darauf aufzubauen. Ich hatte mir von Anfang an vorgenommen, ausschließlich Deutsch als Unterrichtssprache zu verwenden. Dies scheiterte aber leider kläglich. Leider war viel Französisch notwendig, um die jeweiligen Übungen, die ich vorbereitet hatte, zu erklären. Im Laufe der Zeit habe ich versucht, das Französisch zu minimieren und mehr Anweisungen auf Deutsch zu geben.


Da Deutsch normalerweise in diesen Schulen nicht unterrichtet wird und auch keiner der LehrerInnen Deutsch spricht oder versteht, war ich natürlich ganz alleine für die Unterrichtsvorbereitung und -ausführung zuständig. Die stets anwesenden LehrerInnen griffen nur für disziplinäre Maßnahmen ein. Anfangs war es etwas schwierig einzuschätzen, welche Übungen angemessen sind und welche nicht.


Mein erster Tipp: einfach ausprobieren! Die SchülerInnen werden in Deutsch nicht benotet, du sollst ihnen nur die Freude an der Sprache beibringen. Sie sollen also Spaß haben! Das ist das Wichtigste. In diesem Alter lieben sie Spiele, Ausmalübungen (Malen nach Zahlen), Lieder, Rollenspiele usw. Du kannst theoretisch nichts falsch machen.


Mein zweiter Tipp: du musst ihnen alles erklären, bis ins kleinste Detail, und das mehrmals! Sie werden dir sonst tausende Fragen stellen: in welcher Farbe sollen wir das Datum schreiben? Sollen wir das Datum unterstreichen? Sollen wir den Zettel jetzt einkleben oder später?

Mein dritter Tipp: die SchülerInnen sollen sprechen! Bereite so viele Übungen wie möglich vor, in denen sie sprechen müssen (dies wurde auch von einigen LehrerInnen explizit gefragt). Anfangs werden sie etwas schüchtern sein, aber nach ein paar Wochen trauen sie sich. Das erspart dir viel Vorbereitungszeit und ein endloses Zettelchaos bei den Schülern.


Ansonsten hatte ich ausschließlich gute Erfahrungen mit den SchülerInnen. Oft sind sie gewisse Arbeitsmethoden zwar nicht gewohnt und es ist schwierig, sie mit nur einer Wochenstunde an deine Unterrichtsdidaktik zu gewöhnen. Dies kann teilweise sehr deprimierend sein. Vor allem disziplinär sind gewisse Gruppen (bis zu 30 SchülerInnen pro Klasse!) oft schwer zu händeln. Wenn du es selbst nicht schaffst, mach dir nichts draus und bitte den Lehrer/die Lehrerin um Hilfe!

Ich empfand meine KollegInnen als äußerst distanziert! Sie waren alle sehr freundlich, aber niemand kam auf mich zu. Ich nahm mir dies anfangs etwas sehr zu Herzen. Mein Tipp im Nachhinein: Mach den ersten Schritt! Bringe Kuchen oder Spezialitäten aus deinem Land mit (z.B:Mannerschnitten). Versuche, ins Gespräch zu kommen. Sie sind alle wirklich sehr nett und hilfsbereit, erwarten aber oft, dass der erste Schritt von dir kommt.

Über Perpignan

Perpignan liegt im Süden und ist demnach im Winter relativ ausgestorben. Die Stadt ist nett, die Landschaft rundherum wunderschön. Perpignan ist eine Kleinstadt mit vielen kleinen Pubs und Cafés. Erwarte dir aber kein Großstadtgetümmel! Falls du an den Wochenenden gerne feierst und dich in die Menge mischst, such dir lieber eine größere Stadt aus!

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