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Nachbericht: Athen (Griechenland) 2020

von Florian Hasel

Institution: Equal Rights Beyond Borders/ Griechenland

Studium: Diplomstudium Rechtswissenschaften

Zeitraum: Februar – April 2020

Kontaktaufnahme mit Unternehmen

Über eine Konferenz wurde ich auf die Organisation Equal Rights Beyond Borders aufmerksam. Auf der Homepage (www.equal-rights.org) werden laufend offene Stellenausschreibungen ausgeschrieben. Das Bewerbungsverfahren für Legal Trainees bei Equal Rights Beyond Borders ist mehrstufig: wenn die schriftliche Bewerbung (CV + Motivationsschreiben) überzeugt, wird man eingeladen bei einer ganztägigen Schulung/Assessment Center teilzunehmen (diese findet in der Regel in Berlin statt, Anreisekosten nach Berlin werden teilweise übernommen). An der Schulung nehmen mehrere interessierte Bewerber_innen teil. Ausführliche Informationen über die Tätigkeit der NGO in Griechenland sowie zum Aufgabengebiet der Legal Trainees helfen Bewerber_innen besser einzuschätzen, ob man das Traineeship wirklich machen möchte. Am Nachmittag müssen dann fiktive Fallbeispiele im Bereich Europäisches Asyl- und Migrationsrecht gelöst und präsentiert werden. Wenn man auch in einem persönlichen Bewerbungsgespräch überzeugen kann, wird man ca. 1 Woche später darüber informiert ob/wann man als Legal Trainee mitarbeiten kann. Die Mindestaufenthaltsdauer in Griechenland beträgt 3 Monate, bevorzugt werden grundsätzlich jene Personen, die länger für die Organisation tätig sein können.

Reisevorbereitungen, Anreise, Unterkunft, Alltagsleben

Legal Trainees sind selber für die An-/Abreise nach Griechenland verantwortlich, die NGO kümmert sich aber um die Unterkunft in Athen, was sehr hilfreich ist. Auch die Mietkosten für die Unterkunft werden von der NGO übernommen. Mir wurde ein 2 Zimmer Apartment (mit 2 wunderschönen Balkonen) zur Verfügung gestellt, was glücklicherweise auch sehr zentral gelegen war. Da die Zugverbindung von Graz nach Athen Anfang Februar äußerst schlecht war (7x Umsteigen, 35h+ Reisezeit), bin ich von Wien direkt mit WizzAir nach Athen geflogen. Das Metro Ticket vom Flughafen Athen in die Innenstadt kostet €10 und ist die schnellste/billigste Option. Kosten für öffentliche Verkehrsmittel in Athen sind abgesehen von dem Ticket vom/zum Flughafen sehr billig (€1,40 für eine Stundenkarte, €30 für die Monatskarte), Taxis sind in Athen ebenso vergleichsweise günstig (am Besten über die „Beat“ App buchen). Auch die Lebenserhaltungskosten (Supermarkt, Restaurants) sind billiger als in Österreich. Neben den zahlreichen Sehenswürdigkeiten in Athen, kann ich besonders empfehlen eine der vorgelagerten Inseln (zB Ägina, Hydra, Kea) für einen Tagesausflug zu besuchen (Fähren ab Piräus kosten zwischen 10-20€ für Hin- und Rückfahrt). Über den Adidas Laufclub habe ich schnell neue Leute kennengelernt. Drei mal wöchentlich wurden für verschiedenen Leistungsgruppen kostenlose Trainingseinheiten angeboten (Treffpunkt: Adidas Runbase in Falirou 16, Athina 117 42). Durch die COVID-19 Maßnahmen der Regierungen und Ausgangsbeschränkungen im März/April war das Alltagsleben natürlich ganz anders als im Februar. Die Kolleg_innen der NGO waren in der Zeit jedenfalls sehr darum bemüht, dass ich stets up-to-date war was neue Regierungsmaßnahmen betraf.

Die Institution

Equal Rights Beyond Borders (ERBB) ist eine internationale Organisation mit drei Standorten in Chios, Athen und Berlin, die insbesondere darauf spezialisiert ist Flüchtlinge und Asylsuchende bei der Durchsetzung ihrer Rechte in Familienzusammenführungsverfahren zu beraten und vertreten. Außerdem bietet ERBB im EU-Hotspot Vial unabhängige und kostenlose Rechtsberatung an und vertritt regelmäßig Personen in Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Zur Zeit sind bei der NGO 14 Mitarbeiter_innen beschäftigt, darüber hinaus wird das Team meistens von 2-3 Legal Trainees in Athen und Chios unterstützt. Neben Jurist_innen aus Griechenland, Italien, Belgien, U.S.A. und Deutschland sind auch mehrere Dolmetscher_innen für einschlägige Sprachen (Arabisch, Farsi/Dari, Türkisch, Somali) beschäftigt. Die Organisation wird hauptsächlich von der EKD und IRAP finanziert. In den Standorten Athen und Chios wird kostenlose und unabhängige Rechtsberatung im Bereich Asyl- und Migrationsrecht angeboten. Das Büro in Berlin ist für die Vertretung von Klient_innen vor deutschen Verwaltungsgerichten zuständig, macht Fundraising und Advocacy Arbeit (Deutscher Bundestag, Europäisches Parlament),  und publiziert außerdem regelmäßige wissenschaftliche Artikel und Rechtsgutachten insbesondere zum Thema Familienzusammenführungen (siehe https://www.equal-rights.org/all-publications).

Meine Tätigkeit

Als Legal Trainee im Büro in Athen habe ich zwei griechischen Anwältinnen der NGO im Büro in Athen unterstützt. Einerseits habe ich umfassende Recherchetätigkeiten zu einschlägiger Literatur sowie nationaler und internationaler Judikatur im Bereich des Asyl- und Migrationsrecht durchgeführt, juristische Stellungnahmen und Schriftsätze verfasst sowie regelmäßig mit Behörden, diplomatischen Vertretungen, internationalen Organisationen (EASO, UNHCR), Rechtsanwält_innen und Sozialarbeiter_innen kommuniziert (per E-Mail/Telefon). Andererseits war ich als deutschsprachiger Jurist auch für allfällige Übersetzungen (Deutsch/Englisch) zuständig. Darüber hinaus habe ich Asylsuchende und anerkannte Flüchtlinge im Bereich Familienzusammenführung (Dublin-III-Verordnung, Visaverfahren) bzw. im inhaltlichen Asylverfahren persönlich (bzw. per Telefon) beraten und unter Anleitung anwaltlicher Supervision Prozessführungsstrategien vor Verwaltungsgerichten konzipiert. Auch für Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte habe ich unrechtmäßig inhaftierte unbegleitete minderjährige Flüchtlinge interviewt, Schriftsätze verfasst und umfassende juristische Recherchen durchgeführt. Während der drei Monate habe ich einen praktischen Einblick in die Tätigkeit einer international tätigen Organisation bekommen und konnte meine Kenntnisse im Bereich des Europäischen Menschenrechtsschutzes auch bei internen Schulungen vertiefen (zB. Webinar mit Prof. Nora Markard zu „European Human Rights Law and Strategic Litigation before the ECtHR“). Die Zeit in Griechenland war aber nicht nur wegen der COVID-19 Pandemie ganz anders als ich es mir vorgestellt habe. Zum Einen wurde die Sicherheitslage auf den griechischen Inseln immer angespannter (es gab mehrere gewaltsame Attacken auf NGO Mitarbeiter_innen und Asylsuchende von Rechtsextremen), zum Anderen eskalierte Ende Februar auch die Situation an der griechisch-türkischen Landgrenze. Die katastrophale Situation in den völlig überbelegten Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln bekam ich natürlich auch viel direkter mit. Zu sehen wie Behörden sich regelmäßig weigerten Gerichtsentscheidungen umzusetzen, war oft frustrierend. Mitzuerleben mit welchem Engagement und persönlichen Einsatz viele griechische Anwält_innen sich weiterhin für die Einhaltung von rechtsstaatlichen Grundsätzen einsetzen, war jedenfalls inspirierend. Es war definitiv nicht mein letzter Aufenthalt in Griechenland.

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