Alumni.Porträts

Ao.Univ-Prof. Dipl.-Ing.Dr. Friederike Turnowsky

Alumna des Monats Mai 2009

Grundlagenforscherin am Institut für Molekulare Biowissenschaften

11.000 Quadratmeter Nutzfläche, 120 WissenschafterInnen, mehr als 1.000 Studierende – seit September 2007 glänzt die Karl-Franzens-Universität mit dem Zentrum für Molekulare Biowissenschaften (ZMB) einmal mehr als Top-Standort für Forschung und Wissenschaft. Kaum zu glauben, dass die Mikrobiologie vor 26 Jahren weder mit Pipette oder Lehrveranstaltung an der Uni Graz vertreten war. Die Wissenschafterin, Universitätsprofessorin und aktuelle Alumna des Monats Friederike Turnowsky öffnete gemeinsam mit Gregor Högenauer die Tore für den biowissenschaftlichen Forschungsstandort der Universität Graz.

Nach dem Studium an der Universität für Bodenkultur in Wien (Bereich Lebensmitteltechnologie) fasste Friederike Turnowsky Fuß in der industriellen Forschung und beschäftigte sich mit Wirkungsmechanismen neuer  Antibiotika. Nach 15 Jahren in der Pharmaindustrie kam der große Umbruch – zurück auf die Uni, hin zur Grundlagenforschung. Ein Grund der für die Universität gesprochen hat? „In der Industrie entscheidet man nicht selbst über die Forschung, deren Inhalte oder deren Ausmaß – im Wesentlichen entscheidet das Marketing“ … die Wirtschaftlichkeit steht im Vordergrund.

Zurück zur Basis
Im Jahr 1984 wurde Gregor Högenauer an die Uni Graz berufen, um dort das Institut für Mikrobiologie aus der Taufe zu heben. Zuvor gemeinsam in der Forschung tätig, kam mit ihm Friederike Turnowsky:  „Das Institut für Mikrobiologie bestand damals aus dem Sekretariat, einem Labor und einem ProfessorInnenzimmer. Bei der Investition für die Laborausstattung mussten wir damals entscheiden ob wir die fünf bestellten Pipetten in unterschiedlichen oder in der gleichen Größe haben möchten“.

NAWI Graz gelebt
Das geringe „Startkapital“ kompensierte das Team rund um die Mikrobiologie durch seine hohe Kooperationsbereitschaft „… wir haben NAWI Graz schon gelebt als es lange noch nicht benannt war.“ Am Institut für Mikrobiologie passierte eine Selbstverständlichkeit des Netzwerkens „… das habe ich von meiner Tätigkeit in der Industrie mitgebracht. Interdisziplinäre Arbeitsgruppen sind ein wichtiger und notwendiger Teil in der industriellen Forschung.“ Ein komplexes Forschungsprojekt verlangt nach unterschiedlichen Expertisen – ein erfolgreiches ForscherInnenteam verlangt unterschiedlichen Blickwinkel und somit auch unterschiedliche Lösungsansätze. Von Anbeginn arbeitete die Wissenschafterin mit KollegInnen der Chemie, Pharmazie, Medizin und der Technischen Universität zusammen und nicht nur die Theorie sondern auch das Equipment im Labor wurde geteilt und ließ erfolgreiche Forschung und Lehre stattfinden.

Vom Universitätsplatz 2 in die Humboldtstraße 50
Vor gut eineinhalb Jahren ist das Institut für Mikrobiologie mit all seinen MitarbeiterInnen, Studierenden, Geräten, Erfahrungen, Erfolgen und Forschungsansätzen umgezogen. Aus der ersten „Forschungsidee“ in den 80ern wurde in kürzester Zeit ein für die Universität profilbildendes Forschungszentrum. Friederike Turnowsky war bei der Grundsteinlegung der Forschungsidee dabei, das Gefühl, wenn sie heute vor dem Gebäude steht ist leicht zu beschreiben: „Stolz“.

BiowissenschafterInnen und Wirtschaft
„Was sollen unsere AbsolventInnen mitbringen? – Die Antwort eines Kollegen aus der Industrie war: neben der selbstverständlichen fachlichen Qualifikation eine zweite Sprache (neben Englisch), die Fähigkeit eine Abbildung zu erklären und zu präsentieren und ein bisschen wirtschaftliches Denken“. Dieser Wunsch blieb bei Friederike Turnowsky nicht ungehört. Sie initiierte Seminare im Bereich  Präsentationstechniken, ermöglichte ihren Studierenden der Mikrobiologie eine Lehrveranstaltung für wirtschaftliche Grundlagen. Berufsluft konnten sie bei den zahlreichen Exkursionen in branchenspezifische Unternehmen schnuppern, welche die engagierte Universitätsprofessorin organisierte.

Ausklang der Forschungsaktivität
Seit knapp 3 Jahren ist die Universitätsprofessorin eigentlich in ihrem wohlverdienten Ruhestand – eigentlich, denn von Ruhe und Stehenbleiben ist nicht viel zu bemerken. Zum Einen kümmert sie sich noch an der Uni um ihre Studierenden und zum Anderen startet Friederike Turnowsky nun eine Initiative um Sozialprojekte in Äthiopien zu unterstützen. Dabei wünschen wir ihr viel Erfolg!